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Von
Markus Stettner-Ruff Da
erlebe ich an einem Abend im Oktober, ein Samstag war’s – ein herrliches
Jubiläumsfest. In der Max-Kade-Halle zu Steinbach sitzen zirka 200 Eltern, Gäste,
LehrerInnen und auch SchülerInnen, um den 10-jährigen Geburtstag ihres sie
vereinenden „Kindes“ zu feiern. Den ganzen Tag lang haben sie sich in
Arbeitsgruppen und Plenumsvorträgen intensivst mit seiner Vergangenheit, aber
noch mehr mit seiner Zukunft auseinander gesetzt. Es herrscht jetzt, am Ende des
Tages eine zufriedene, heitere, erwartungsfrohe Stimmung. Und
die Menschen werden nicht enttäuscht. Ein toller Moderator, vielschichtige Grußworte
von Politik und Schulverwaltung (ganz sensibel und weitblickend das des
„Obersten“ der versammelten Haller Lehrer). Eine bescheiden stolze Rede des
Vorstandssprechers – mit berechtigter Sorge um die Zukunft des „Kindes“
gemischt – und ein fulminanter Festvortrag eines ganz unprofessoralen Pädagogikprofessors
aus Wien, folgten. Es taten sich Welten auf. Doch
das war noch nicht alles. Den Schlusspunkt setzte ein Clownerie-Duo, welches das
Wesen des „Kindes“ so treffend, so tiefgreifend, so beherzt vor Augen führte,
besser vor alle Sinne der Festgemeinde stellte, dass es eine wahre Freude war!
Tiefes und herzliches Lachen allenthalben! Die
Tage danach warte ich auf die öffentliche Würdigung und Berichterstattung des
Ereignisses. 10 Jahre Montessori-Initiative, das ist ja kein Pappenstiel! Scheinbar
doch, in den Augen des Lokalblattes. Nach
über einer Woche kommt ein kurzer Bericht. Es scheint, dass die, die gewürdigt
gehörten, in einer schnellen Aktion, nachdem kein Bericht durch die HT-Redaktion
kam, wohl schnell selbst einen zusammengestellt haben. Traurig,
aber kennzeichnend für die öffentliche Wertschätzung der Arbeit freier Träger
in Bildung und Pädagogik. Man ruft in Zeiten knapper Kassen nach dem Engagement der Bürger. Die Gruppen aber, die seit Jahrzehnten Enormes leisten, wertschätzt man kaum, obwohl sie es sind, die durch ihre freiwilligen Leistungen eine plurale Kindergarten- und Schullandschaft ermöglichen. Diese ist, durch das Grundgesetzt und durch Urteile des Bundesverfassungsgerichtes garantiert, aber ein Grundrecht der Bürger. Es mag „gute“ Gründe geben, warum es der HT-Redaktion nicht möglich war, einen Redakteur oder Fotografen zu schicken oder warum sie eine Berichterstattung für nicht notwendig erachtete. Als Wahrnehmung bleibt: Rathaus- und Parteienpolitik, Wirtschaft, Sport, Freizeit, Kulturevents – in der Spaßgesellschaft ist immer weniger Platz für Engagement, das sich an sozialen und geistigen ldealen und Werten orientiert. Die Folgen tragen immer unsere Kinder. aus: „Info Blättle“. Offizielles Mitteilungsblatt der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall e.V., Nr. 196, 10. Dezember 2001 |